Die Frage, wann ein Auto noch ein Neuwagen ist, klingt erstmal einfach: ein neues Auto ohne Vorbesitzer eben – oder? Doch so klar, wie es zuerst erscheint, ist diese Definition nicht immer. Dabei ist es vor allem dann wichtig zu wissen, wenn es um die Laufzeit der Herstellergarantie und die gesetzliche Gewährleistung geht. Gerade letztere beträgt bei Neuwagen laut Auto Club Europa (ACE) nämlich gerade einmal zwei Jahre, während sie bei Gebrauchtwagen sogar noch auf ein Jahr verkürzt werden kann. 

Es ist normal, dass Neuwagen bis zu zehn Kilometer auf dem Tacho haben. Dies liegt daran, dass jedes Auto bereits vor der Auslieferung eine gewisse Strecke zurücklegt, beispielsweise durch Verladung oder abschließende Check-ups. Doch welche weiteren Feinheiten müssen stimmen, damit ein Auto als Neuwagen gilt? Wir erklären es Ihnen.

Die Kriterien für einen „fabrikneuen“ Neuwagen
Beginnen wir mit der Bezeichnung „fabrikneu“, für die die strengsten Kriterien gelten. Nach Angaben des ACE dürfen hierbei zwischen der Herstellung des Autos und dem Kaufvertragsabschluss nämlich nicht mehr als zwölf Monate vergangen sein. Darüber hinaus darf es in dieser Zeitspanne keine Modelländerungen seitens des Herstellers gegeben haben, das Fahrzeug muss also unverändert weitergebaut werden. Zudem dürfen keine Mängel auftreten, die auf eine längere Standzeit zurückzuführen sind. Das sind die Kriterien, die der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Urteil festgelegt hat.

Bis wann gilt ein Auto als Neuwagen?
Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hat kürzlich eine wichtige Entscheidung getroffen, die verdeutlicht, ab wann ein Auto nicht mehr als Neuwagen gilt. In einem Fall, bei dem eine Fahrerin eines Porsche Macan in einen Unfall verwickelt war, wurde der Schaden auf Basis des Wiederbeschaffungswerts, nicht des Neupreises, reguliert. Das OLG Hamm entschied, dass ein Auto bereits sechs Wochen nach der Erstzulassung und mit knapp 3.300 Kilometern auf dem Tacho nicht mehr als Neuwagen gilt – und zwar unabhängig davon, ob es sich um ein Luxusauto handelt oder nicht.
Das Gericht legte fest, dass ein Neuwagen höchstens einen Monat lang zugelassen sein darf und nicht mehr als 1.000 km gefahren sein sollte. In diesem Fall hatte die Klägerin daher nur Anspruch auf die Erstattung des Geldes für den Kauf eines vergleichbaren, unfallfreien Autos und nicht eines Neuwagens.

Besondere Fälle: Ausstellungs- und Vorführwagen
Selbst Ausstellungsautos können in manchen Fällen nicht mehr als Neuwagen betrachtet werden, da sie von Interessenten angefasst und probegesessen werden dürfen, so der ACE. Ein Gerichtsurteil am Amtsgericht München bestätigt dies: Dort wurde einer Käuferin in einem solchen Fall eine Kaufpreisminderung von 1.000 Euro für ein Oberklasseauto zugesprochen. Vorführwagen dürfen ebenfalls nicht als Neuwagen verkauft werden, da sie bereits auf den Händler zugelassen wurden und in der Regel für Probefahrten genutzt wurden.
Generell gilt, dass Käufer Gewährleistungsrechte geltend machen können, wenn sich nach dem Kauf herausstellt, dass das Fahrzeug nicht fabrikneu war, wie vom Autohändler angepriesen. Dies kann Preisminderung, Schadenersatz oder sogar den Rücktritt vom Kaufvertrag bedeuten.

Sonderfall: Tageszulassungen
Ein Sonderfall, der zu beachten ist, sind Tageszulassungen. Diese treten auf, wenn ein Auto für einen oder wenige Tage auf den Händler zugelassen und weniger als zehn Kilometer gefahren wurde. Obwohl diese Fahrzeuge einen Vorbesitzer haben, gelten sie nämlich in der Regel immer noch als Neufahrzeuge, vorausgesetzt, sie sind mängelfrei und zwischen der Zulassung und dem Verkauf sind maximal zwölf Monate vergangen.

Es ist allerdings wichtig zu beachten, dass Tageszulassungen je nach Hersteller die Laufzeit der Neuwagengarantie verkürzen können. Darüber hinaus müssen diese Fahrzeuge bereits zwei Jahre nach der Zulassung durch den Käufer zur ersten Hauptuntersuchung (HU), während es bei Neuwagen normalerweise drei Jahre sind.